Tennis Club Lühe e.V.  "TCL - Der Tennisverein im Alten Land"
     

Matchball

Matchball - eine Kolumne von FG

Am Ende jeder AUFSCHLAG-Ausgabe steht der MATCHBALL - hervorragende Kolumnen von Frank Glittenberg  - an dieser Stelle eine kleine Auswahl


Matchball  4 / 2010 

Heißer Tee und Kölnisch Wasser

Diesmal muss die Kolumne „Matchball“ leider ausfallen – ich muss Weihnachtsgeschenke kaufen.

PS: Wissen Sie eigentlich schon, was Sie in diesem Jahr verschenken werden? Grandiose Geschenke für Tennisspieler gibt’s im Internet. Einen klitzekleinen Schläger in Sterlingsilber als Schlüsselanhänger, Tischsets in Form eines Tennisplatzes, Teetassen, die aussehen wie halbierte Tennisbälle. Das ist übrigens sehr lustig, weil die aus formalästhetischen Gründen keine Henkel haben und sich so der Besitzer beim Gebrauch unweigerlich die Finger verbrennt.

PPS: Als Jugendlicher habe ich meiner Mutter zu Weihnachten sieben Jahre lang hintereinander eine Flasche „4711 Echt Kölnisch Wasser“ geschenkt. Ich weiß das so genau, weil es die langweiligsten Jahre meines Lebens waren, die ich aber akribisch in fünf dicken Tagebüchern protokollierte. Eine erschütternde Lektüre – da ich sieben Jahre lang nichts erlebt hatte, notierte ich meist nur was ich aß. Und den Einkauf von 4711 jeweils ein Tag vor Heiligabend. Dann stiefelte ich los, begleitet von gefühlten 200.000 Ehemännern, die ebenfalls noch ein Geschenk suchten. Die Geldscheine in meiner Tasche riefen: Hol uns raus, aus deinem engen Beutel, wir wollen den Duft des Luxus spüren. Es gab solange keine Ruh, bis ich es über den Ladentisch schob, um eine Flasche des berühmten Duftwässerchens in Empfang zu nehmen. Wahrscheinlich hätte sich meine Mutter als passionierte Sandplatzspielerin doch lieber an einer Tennisball-Teetasse die Finger verbrannt, als sieben Jahre lang nach Kölnisch Wasser zu riechen. Aber das Internet gab´s ja noch nicht.

PPPS: Was aus dem restlichen Geld geworden ist, weiß ich nicht. Ich habe es nie wieder gesehen.

PPPPS: Frohe Weihnachten! 

-FG-     


Matchball  1 / 2011 

 Antreten zum Dienst

Immer noch, und immer wieder, rufen wir und andere Vereine zum Arbeitsdienst auf. Auch in dieser Ausgabe, wenn sich der Verfasser nicht irrt. Man kann ja schließlich nicht alles lesen, was man schreibt. Und wenn dann nur Wenige kommen, wundert man sich. Aber ist das ein Wunder? „A r b e i t s d i e n s t, wie uncool ist das denn?“ …würde unsere Jugend sagen. Wie eine doppelte Bestrafung: Arbeiten und noch Dienst haben. Kein vernunftbegabter Mensch würde sich darauf einlassen. Abgesehen davon ist das Wort völlig veraltet. So etwa wie Bade- und Bedürfnisanstalt oder Sättigungsbeilage und Stoßstange. Ich meine natürlich die am Auto, die es aber gar nicht mehr gibt. In anderem Zusammenhang hätte ich sonst von Animierdame gesprochen, die gar keine Dame war. Die Vorstufe zur Dame war ja damals Fräulein. Übrigens forderte daraufhin die Frauenbewegung die Einführung des Begriffs Männlein – allerdings ohne Erfolg. Doch alles Larifari und Papperlapapp; jetzt bin ich aber abgeschweift. Zurück zum Arbeitsdienst, den wir künftig auch „Workshop“ nennen können. Bevor das aber durch den Vorstand abgesegnet wird, gilt noch der Aufruf zur Arbeit in veralteter Sprache:

Also ihr Lotterbuben und Duttengretel. Gebt euren Fluppen den Laufpass, zieht eure Nietenhosen an, setzt euch spornstreichs in eure Benzinkutschen und kommt mit Affenzahn in die Arbeitsgesellschaft des TCL, auf das wir dort Vollbeschäftigung haben. Sicher gibt es dort den einen oder anderen Käse-Igel oder gekochte Hühnereier mit halben Tomaten und aufgetupfter Eiertunke als Deckel, die aussehen wie Fliegenpilze. Für Krawallbrause ist auch gesorgt. Vielleicht stecken wir später noch eine Mischkassette in das Abspielgerät und schmeißen auf der Tanzfläche eine Party für Hupfdohlen bis zum Fernsehtestbild um 24.00 Uhr. Bis dahin: Tschüssikowski.

-FG-  


Matchball  4 / 2011 

Die kulinarische Wüste Gobi

Wieder mal ein Aufruf. Apropos, Aufrufe in unserem Vereinsmagazin scheinen zu wirken. Als wir zuletzt zum „Arbeits-Dienst“ aufgerufen hatten, kamen so viel Freiwillige, dass Nummern gezogen wurden, wer als erster anfangen darf.  Aber das nur am Rande. Diesmal geht es darum, dass die Bereitschaft zur Bewirtung in unserem Clubhaus diametral zu den Neuzugängen im Verein abgenommen hat. Wie kommt´s? Trauen sich denn keine, oder können die Leute heute nicht mehr kochen? Das kann man sich nicht vorstellen, bei einem millionenfachen Überangebot an Kochbüchern und stündlich ausgestrahlten Fernsehshows, die sich mit nichts anderem beschäftigen als mit dem Thema: Sind sie schon satt?

Nun verlangen wir  ja keine kulinarischen Köstlichkeiten á la Schuhbeck, Henssler, Wohlfahrt und wie sie alle heißen. Aber etwas mehr, als eine jahrelang unter Gefrierbrand gelittenen Frikadelle aus den schwindelerregenden Tiefen der Eistruhe für zwei Euro fünfzig, dürfte es schon sein. Selbst wenn diese auf der Speisetafel mit dem Hinweis angeboten werden: „frisch aufgetaut“. Eine Hilfe wäre vielleicht doch die Hinzuziehung von Kochbuchklassikern, von denen ich heute einige vorstellen möchte. Da gibt es zum Beispiel das Buch „Wie man eyn teutsches Mannsbild bey Kräfften hält“. Ein Fressbedarfsbuch aus dem Mittelalter, aber schon genauso veraltet wie voluminös. Oder „Party für junge Leute“, in dem so skurrile Rezepte stehen wie: „Brennende Birnen“ oder „Bukarester Leber mit Weißwein“. Dieser seltsam-lustige Ratgeber ist allerdings auch schon 1968 erschienen, und die damals anvisierten jungen Leute sind heute so um die 60 Jahre alt. Selbst die Gattin des Langzeitkanzlers Kohl brachte 1985 ein Kochbuch mit gesammelten Rezepten damaliger Medienmacher heraus. Hannelore Kohl gab dem knapp 300 Seiten starken Exemplar den Titel: Was Journalisten so „anrichten“. Das Ergebnis kann man hier nachlesen.

-FG- 


Matchball  1 / 2012 

Vorsicht, Satire 

Am Ende dieser Matchballartikel steht eigentlich immer dieselbe Frage. Es ist die Frage, die unser ganzes Leben bestimmt und Grundlage all unserer Erkenntnis ist. Es ist die Frage: Worum geht´s eigentlich? Die Antwort ist einfach, sie lautet: Keine Ahnung! Wohl deshalb nahm mich neulich ein langjähriges Vereinsmitglied zur Seite und sagte: „Du, manchmal verstehe ich gar nicht, was du da immer in diesem „Matchball“ schreibst.“ Ich habe ihm versichert, dass ich das verstehen könne.  

Hier darf jeder nämlich fast alles schreiben, solange man niemanden persönlich angreift, keine Politik macht, nicht gegen die Kirche wettert und einigermaßen anständig in der Wortwahl bleibt. Die journalistische Bezeichnung für solche Beiträge heißt Glosse und wird so beschrieben: „Die Glosse ist ein Sammelbegriff für besonders kurze Meinungsartikel mit einer sehr spitzen Argumentation. In einer Glosse können aktuelle Themen jeder Art behandelt werden, sie werden allerdings aus sehr subjektiver Sicht gesehen. Meist ist ihr Unterton heiter und ironisch. Sprachlich sind Glossen gewandt und es werden Wortspiel, Metaphern, Ironie und Satire als Stilmittel eingesetzt. Die Glosse bedient sich aber auch ungewöhnlicher Wörter und des Dialekts.“ Na also! 

Wer sich an unsere erste „Aufschlagausgabe“ erinnert weiß, dass wir dazu aufgerufen haben, sich an dem Magazin mit eigenen Beiträgen zu beteiligen. Das gilt vor Allem für den Matchball. Bis jetzt hatten wir dazu keine Einsendungen. Über eine Ablösung als Glossenschreiber wäre ich nicht traurig. Andere vielleicht auch nicht.  

-FG-


Matchball  2 / 2012 

Titelkämpfe

Oh, wie bezaubernd, dachte ich zunächst, als ich unlängst den Aushang an unserer Infotafel las. Wir haben jetzt einen Kummerkasten! Und darüber hinaus noch einen Staubgeborenen, der ihn täglich leert – DER SCHLICHTER. Ein wenig angstvoll las ich weiter: „Bis jetzt hatten wir zwar nie Streit im Verein, doch jetzt haben wir jemanden, der dafür Zuständig ist.“ Was für eine mutige Entscheidung des Vorstandes. Endlich laufen wir in der Beziehung den anderen Vereinen nicht mehr hinterher.

 

Wie habe ich mich schon klammheimlich gefreut und mir die Finger wundgerieben in ergötzlicher Erwartung handfester Auseinandersetzungen auf, neben und hinter den Tennisplätzen. Das war ja so versprochen! Auch überkam mich ein wunderbar gruseliges Gefühl, als ich an die Bezeichnung DER SCHLICHTER dachte. Da muss man ja nur mal aus Versehen einen Buchstaben verändern, und es ist aus mit dem schönen Leben. Was wird dieser sicherlich hartgesottene Bursche wohl alles anstellen, um die mühsam erworbenen neuen Mitglieder radikal und rapide zu reduzieren?

Dann, ganz unten, las ich es: DER SCHLICHTER -  ist Peter Emmerich! 

Natürlich Erleichterung, ist doch klar. Erst mal. Aber kann man denn einer so wichtigen Position nicht mal einen passenden Titel geben, um solche Missverständnisse zu vermeiden, fragte ich mich wütend? Wie wäre es denn mit Obmann für Ärger und Streitigkeiten? Oder kürzer, Zoffbeauftragter. Ich wäre ja grundsätzlich noch für weitere Positionen im Verein, wie zum Beispiel Grundlinieninspektoren. Und das Hissen der Fahne macht künftig ein Oberfähnrich der Bundeswehr. Na, vielleicht besser nicht. Wir sind  ja auch froh, dass es unseren Peter Emmerich gibt. 

PS: Ich streite mich gerade mit Peter um einen ausgegebenen Ball. An wen soll ich mich jetzt wenden?           

 -FG-


Matchball   2 / 2013 

 Mysterium über den Wolken – Saft aus Paradiesäpfeln

Raus aus regennassen Regionen. Ab in den Süden zum Tennisspielen. Das war der Plan! Also fix den Flug gebucht, mit Platzreservierung am Notausgang, Sitz 13 A. Nun gibt es in der Urlaubsfliegerei eine bemerkenswerte Unsitte. Dass sie nach der Landung alle klatschen? Ja, das auch. Diese aber besteht darin, dass über 80 Prozent der Passagiere kurz nach dem Start Tomatensaft bestellen, was sie im Restaurant nie tun würden. Vielleicht hat das farbpsychologische Gründe nach dem Motto: Noch schnell `ne Blutkonserve reinziehen, falls heute der Kopilot die Landung hinlegen darf. Ich weiß es nicht und bestellte Tomatensaft. Es gibt noch etwas im engen Urlaubsflieger, das man verbieten sollte. Nämlich dass es dem vor einem sitzenden Passagier erlaubt ist, seine Rückenlehne nach hinten zu klappen. Das schien mein „Vorsitzender“ jedoch nicht zu wissen. Mit einem Ruck wurde die Bestuhlung nach hinten geknallt und bevor ich noch rufen konnte: „Bringen Sie Ihren Sitz wieder in eine aufrechte Position“, war es schon passiert. Der Plastikbecher mit dem roten Saft, den ich auf das Tischchen vor mir gestellt hatte, fiel um und ergoss sich ergiebig auf meinen Schoß.

Ein Fensterplatz im Flugzeug ist eine feine Sache. Aber nicht, wenn man die Hose voll hat und noch zwei Sitznachbarn bitten müsste aufzustehen, um in die Toilette zu gelangen. Der Weg dahin war sowieso durch die Getränkewagen versperrt, die von den Flugzeugkellnerinnen durch die Gänge geschoben wurden. Da der Flug noch zwei Stunden dauern würde und die Fließgeschwindigkeit des Saftes aus dem Nachtschattengewächs sehr gering ist, hatte ich nun genügend Zeit, den Weg des roten Zeugs optisch und gefühlsmäßig nachzuvollziehen. Vom Schoß die Oberschenkel runter, dann an den Waden längs und schließlich über die Sockenränder in die Schuhe. Und das von innen! 

Irgendwann landete der Flieger. Ich wäre beinahe nicht mehr vom Sitz losgekommen. Beim Aussteigen schnappte ich mir noch eine Zeitschrift um sie mir vor die Unglücksstelle zu halten. Mit einem Gesichtsausdruck der sagen sollte: „Es ist nicht das, wonach es aussieht.“ Später erst sah ich, dass ich die „Frau im Spiegel“ vor die Hose hielt mit einem Foto von Heidi Klum, die eine Tomate in der Hand hielt. Überschrift: „In zehn Tagen zur Bikinifigur. Die neue Tomatendiät aus den USA.“ Ach übrigens, mit dem Tennisspielen wurde es auch nichts. Hartplätze mit Granulat. Alles in tomatenrot.

PS: Wenn Sie mal mit Air Berlin fliegen, Sitz 13 A am Notausgang, der dunkle Fleck. Das war ich!

-FG- 


Matchball  2 / 2012 

Ein Wahnsinnstrainer 

Um meinen Trainingsrückstand abzubauen, der sich in den Wintermonaten angesammelt hatte wie die Staatsschulden Griechenlands, nahm ich mir vor, Trainerstunden zu nehmen. Ich erkundigte mich nach einem geeigneten Tennislehrer mit einem leichten Hang zur Selbstzerstörung. Ein Bekannter meinte: „Nimm den da, der hat den B-Schein.“ Er hätte auch sagen können der Trainer hätte das „Seepferdchen“, weil ich mir unter B-Schein nichts vorstellen konnte.  

Meine erste Stunde! Ich stand einem äußerst sympathischen Tennislehrer gegenüber, der auf keinen meiner Scherze einging. Meine alberne Behauptung, ich hätte extra vier neue Matchbälle  gekauft, überhörte er elegant. Er ließ mich ein paar Bälle schlagen, winkte mich ans Netz und sah mich lange an.  „Weißt du, was das Wichtigste beim Tennis ist.“ „ Jaa, äähh?“ sagte ich.  „Ich werde es dir sagen: Der Ball muss über das Netz.“ Das hat mich überzeugt. Es war mir auch schon aufgefallen

„Pass auf, du musst seitlich stehen, seitlich zum Ball, verstehst du? Und nimm die Füße zusammen. So. Nicht so. Der rechte schräg rechts seitlich, der linke zeigt nach vorn. Der Schläger etwas nach hinten zur Schlagvorbereitung. Der Schläger zeigt nicht nach unten, sonst geht der Ball ins Netz, sondern schräg nach oben und seitlich stehen – ins Knie gehen und den Schläger durchschwingen – den Ball anschauen – mit der Hüfte herumdrehen – richtigen Abstand zum Ball halten – locker bleiben, aber Spannung halten – Schläger festhalten – den Ball auf dem Höhepunkt schlagen – dem Ball entgegengehen – in der Mitte treffen – auf dem Höhepunkt ins Knie – Knie anschauen, dem Schläger entgegengehen – Hüfte festhalten – Abstand ausschwingen, auf dem Höhepunkt zuschlagen und dann entgegengehen - anschauen – rumschwingen – kommen lassen – Knie festhalten –  mit dem Fuß in die Knie gehen … mein Gott, das kann doch nicht so schwer sein!“ 

Als drei kräftige, weißgekleidete Männer meinen Trainer nach drei Stunden vom Platz führten, brabbelte er unverständlich vor sich hin, lachte manchmal schrill auf, die Haare wirr im Gesicht hängend. Seitdem meine ich, dass es schon Bälle gegeben hat, die, nachdem sie hinter mir im Feld aufgesprungen waren, „Kuckuck“ gerufen haben. 

-FG- 


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Letzte Aktualisierung 007.02.2022 #UJ
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